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Begabtenförderung im Land Sachsen-Anhalt

Grußwort des Bildungsministers des Landes Sachsen-Anhalt – Begabungslotse Bildung und Begabung

Lebenslanges Lernen prägt heute das gesellschaftliche Bild. Die erfolgreiche Absolvierung der Schullaufbahn ist dabei für die jungen Menschen der erste entscheidende Schritt für einen erfolgreichen Start in das weitere (Berufs-) Leben. Der Schule kommt dabei der Auftrag zu, den Lernprozess für die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer individuellen Interessen, Neigungen, Voraussetzungen und Begabungen zu gestalten.

Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen heißt das, dass ihre Leistungspotentiale möglichst früh erkannt und entsprechend gefördert werden. Dazu gehört eine wissenschaftlich fundierte Diagnostik der (Hoch-) Begabung bei einem Kind oder Jugendlichen ebenso wie die darauf aufbauende abgestimmte Gestaltung des Lernprozesses.

Ziel in Sachsen-Anhalt ist es, ein dem Einzelfall angepasstes begabungsspezifisches Arrangement an Fördermöglichkeiten einzurichten und anzubieten. Im System der Begabtenförderung hat Sachsen-Anhalt u. a. Netzwerkschulen in allen Regionen des Landes eingerichtet. Sie verfügen über besondere Kompetenzen in Bezug auf die Begabungsförderung und arbeiten sowohl landesweit als auch regional zusammen. Speziell ausgebildete Lernbegleiter und Lernmentoren unterstützen die Eltern, Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler bei einer individualisierten Gestaltung des schulischen und außerschulischen Lernens.

Im Zusammenwirken aller schulischen und außerschulischen Partner, den Eltern, den Vertretern von Wissenschaft und Wirtschaft werden Rahmenbedingungen geschaffen, unter denen sich Kinder und Jugendliche bestmöglich entwickeln, alle ihre Potentiale ausschöpfen und für die auf sie zukommenden Anforderungen in Gegenwart und Zukunft gut vorbereitet sind.


Marco Tullner
Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt

Selbstverständnis der Begabtenförderung in Sachsen-Anhalt

 

Auszüge Begabungslotse – Länderspezial bei Bildung und Begabung

 

Die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Begabungen, Neigungen, Interessen oder Fähigkeiten und damit die Förderung besonders leistungsstarker und leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler zählten und zählen zu den grundlegenden Bildungs- und Erziehungsaufträgen der Schulen. Dieser Auftrag ist im Schulgesetz festgelegt und wird in den Schulen durch Unterrichtskonzepte und Schulprogrammarbeit untersetzt und in der Praxis umgesetzt.

Darüber hinaus können die Schulen auf ein breites Angebots- und Unterstützungssystem zurückgreifen, um diesen grundsätzlichen Bildungsauftrag mit Leben zu füllen. Der Runderlass zur Begabtenförderung im Land Sachsen-Anhalt führt sowohl die schulischen, als auch außerschulischen Möglichkeiten auf.

Die Schulen sind aufgefordert, besondere Leistungspotenziale von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen. Dazu nutzen sie zum Beispiel Lernentwicklungsbeobachtungen und Lernentwicklungsgespräche. Wird eine Hochbegabung vermutet, die ggf. eine darauf aufbauende individuelle Lernprozessgestaltung erfordert, können die Schulen neben ihren eigenen diagnostischen Erkenntnissen das diagnostische Angebot der BRAIN-ST-Beratungsstelle zur Unterstützung einbeziehen. Ziel ist es, ein angepasstes und dem Einzelfall angemessenes Arrangement an Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten. Sollte die Schule Beratungsbedarf haben, hat sie die Möglichkeit auf die Erfahrungen von Netzwerkschulen zurückzugreifen, sich an die Koordinierungsstelle zu wenden oder sich bedarfsgerechte Fortbildungsangebote auszusuchen.
Auf schnelleres Lernen, intensiveres Durchdringen kann unter anderem mit Akzelerationsmaßnahmen reagiert werden, wie zum Beispiel das Überspringen eines Schuljahres, oder mit sogenannten Enrichmentangeboten, die die Unterrichtsangebote ergänzen, vertiefen und ggf. auch erweitern.

Neben den unterrichtsimmanenten und unterrichtsintendierten Fördermöglichkeiten gibt es vielfältige außerschulische Angebote in Form von Olympiaden, Wettbewerben, Sommercamps, Schülerakademien, Landesseminaren u.a.m.

Förderung von Talenten und Begabungen

Begabte, leistungsstarke und potentiell leistungsstarke Schülerinnen und Schüler werden im Unterricht gefördert. Darüber hinaus gibt es Angebote der außerschulischen und außerunterrichtlichen Förderung. In jeder Schule gibt es Lehrkräfte, die dazu angesprochen werden können. Informationen finden sich auch auf dem Landesbildungsserver.

Schulische Möglichkeiten zur Förderung begabter, leistungsstarker und potentiell leistungsstarker Schülerinnen und Schüler bestehen zum Beispiel darin, dass Lehrkräfte besondere Aufgaben zusammenstellen, die sie ausgewählten Schülerinnen und Schülern anbieten. Ein weiteres Förderangebot sind die Wahlpflichtkurse oder schulische Leistungskurse sowie Arbeitsgemeinschaften, die auf die Leistungsstärken und Leistungsinteressen der Schülerinnen und Schüler eingehen. Die Förderung erfolgt somit über zusätzliche Angebote. 

Für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler besteht die Möglichkeit in ausgewählten Fächern und Lernbereichen am Unterricht in höheren Schuljahrgängen teilzunehmen. Besonders begabte oder leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können ggf. ein Schuljahr überspringen, so dass sie ihren schulischen Abschluss eher als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler erlangen können.

Koordinierungsstelle zur Begabtenförderung des Landes Sachsen-Anhalt

Zur Unterstützung der Schulen bei der Förderung von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern ist am Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung in Halle (LISA) eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Sie berät die Schulen und informiert über die bestehenden Angebote der außerschulischen und außerunterrichtlichen Angebote zur Förderung. Darüber hinaus organisiert die Koordinierungsstelle Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte zur Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler.

 

Netzwerkschulen in Sachsen-Anhalt

Netzwerkschulen sind Schulen, die sich besonders aktiv und breit mit Fragen der Begabtenförderung auseinandersetzen und ihre Schulprogrammentwicklung insbesondere diesem pädagogischen Schwerpunkt widmen. An diesen Schulen gibt es Lehrkräfte, die sich in besonderer Weise qualifiziert haben (Lernbegleiter), um den Lehrkräften, den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern beratend und unterstützend zur Seite zu stehen. An den Netzwerkschulen werden didaktisch-methodische Vorgehensweisen im Unterricht analysiert und deren Wirkung auf die Förderung von Leistungspotenzialen bewertet. In Netzwerkschulen gibt es einen regen fachlichen Austausch zur Begabtenförderung, um die Unterrichtsqualität entsprechend zu sichern. Lernentwicklungsgespräche und Zielvereinbarungen gehören zum Schulalltag. Die Netzwerkschulen haben sich als solche beworben und wurden nach Prüfung nominiert. Das Gütesiegel ist eine besondere Form der Anerkennung für das Bemühen der Netzwerkschulen um die Qualität in der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Fähigkeiten, Interessen und fachlichen Neigungen. Netzwerkschulen sind ausgewählte Grundschulen und weiterführende Schulen, die regional als Ansprechpartner für Schulen zur Verfügung stehen. Sie sind daher an unterschiedlichen Standorten im Land, um ein möglichst flächendeckendes Angebot vorzuhalten. Das im Land angestrebte Netz an Netzwerkschulen ist nahezu vollständig, so dass der Schwerpunkt auf die Qualitätssicherung gerichtet ist.

Qualifikation von Lehrkräften im Bereich

Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) bietet ein breites Spektrum an Fort- und Weiterbildungsangeboten an. Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte unter dem Aspekt der Begabtenförderung sind regelmäßig im Angebot. Über sogenannte Abrufangebote können die Lehrkräfte die Fort- und Weiterbildungsangebote auswählen, die sie für ihre pädagogische Arbeit als besonders bedeutsam empfinden. Für Lehrkräfte mit besonderen Aufgaben in der Begabtenförderung werden aufgabenorientierte Fortbildungskurse oder -reihen vorgehalten, so zum Beispiel für die Qualifikation von Lernbegleitern an Netzwerkschulen. Im Rahmen der Lehrkräfteausbildung gibt es Ausbildungsmodule, in denen die künftigen Lehrkräfte etwas zur Begabtenförderung erfahren und sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Förderung auseinandersetzen.

Professionelle Beratung

Wenn Eltern oder Schülerinnen und Schüler Rat und Unterstützung suchen, haben sie verschiedene Möglichkeiten. Zunächst ist davon auszugehen, dass sie an der besuchten Schule einen Ansprechpartner finden, der ihre Fragen entgegen nimmt. Können diese in der Schule nicht beantwortet werden, können die Lernbegleiter der Netzwerkschulen hinzugezogen werden. Diese wiederum können sich bei der Koordinierungsstelle im LISA die notwendigen Informationen geben lassen oder suchen ein gemeinsames Klärungsgespräch mit den Eltern und ihren Kindern in der Koordinierungsstelle im LISA. Geht es darum, festzustellen, ob es sich um eine Hochbegabung handelt, ist die BRAIN-ST-Beratungsstelle der geeignete Ansprechpartner für Rat und Unterstützung. Das Landesschulamt (LSchA) ist für viele Eltern gleichermaßen erste Ansprechstelle für Fragen. Es bietet neben Beratungen zu Einzelfällen und schulischen Laufbahnen die Kontakte zu den vorher benannten Stellen an und ist entscheidender Partner, wenn es um die Festlegung von konkreten Schullaufbahnen geht. Mit anderen Worten, Rat und Unterstützung findet sich auf verschiedenen Ebenen. Je nach Beratungsbedarf und –umfang werden nur ausgewählte Ansprechpartner eingebunden oder mehrere, die gemeinsam, koordiniert oder abgebend agieren.

 

BRAIN Sachsen-Anhalt

Brain ST ist eine unabhängige begabungsdiagnostische Beratungs- und Informationsstelle des Landes Sachsen-Anhalt. Sie ist in den Räumlichkeiten der Martin-Luther-Universität in Halle eingerichtet. Hier können Personensorgeberechtigte prüfen lassen, ob ihre Vermutung, dass ihr Kind besonders lernbegabt ist prüfen lassen. Die Beschäftigten der begabungsdiagnostischen Beratungs- und Informationsstelle sind entsprechend qualifiziert, verfügen über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Begabungsforschung. Sie beraten telefonisch oder nach Vereinbarung vor Ort in der Universität Halle.


Unterrichtliche Angebote

Schulen mit inhaltlichen Schwerpunkten/Aufnahmeverfahren:

 „Schulen mit inhaltlichem Schwerpunkt“ sind Einrichtungen zur Förderung spezifischer Begabungen. Sie fördern Schülerinnen und Schüler, die im sprachlichen, im künstlerischen, im sportlichen oder im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich über besondere Fähigkeiten verfügen und herausragende Leistungen erbringen. Neben dem regulären Unterricht hält das Land diesen Schülerinnen und Schülern in ihren jeweiligen Schwerpunkten zusätzliche und vertiefende Unterrichtsangebote vor. Die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler an solchen Schulen erfolgt daher nicht nur nach Wunsch, sondern ausnahmslos nur unter der Voraussetzung, dass eine entsprechende Begabung in einem separaten Testverfahren und in den jeweiligen Zeugnissen nachgewiesen wird. 
Nähere Regelungen dazu sind in der geltenden Verordnung über die „Aufnahme in Schulen mit inhaltlichen Schwerpunkten“ sowie in den „Ergänzende(n) Regelungen zur Aufnahme von Schülerinnen und Schülern in Gymnasien mit genehmigten mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen, sprachlichen und künstlerischen Schwerpunkten“ sowie den „Ergänzende(n) Regelungen zur Aufnahme in Schulen mit dem genehmigten inhaltlichen Schwerpunkt Sport“ fixiert.

Neben dem Regelunterricht mit den Inhalten und Zielen nach den curricularen Grundlagen des Landes Sachsen-Anhalt werden vertiefende und ergänzende Lerninhalte im jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkt vermittelt. Dafür werden zusätzlich Unterrichtsstunden bereitgestellt. 
Ebenso wird im Unterricht aller Fächer dem inhaltlichen Schwerpunkt Rechnung getragen.
Die besonderen und ergänzenden Angebote sind an den Schulen mit inhaltlichem Schwerpunkt belegungspflichtig und werden auf dem Zeugnis ausgewiesen. Für das Verbleiben an der Schule mit inhaltlichem Schwerpunkt werden, neben den allgemeinen Versetzungsregelungen, entsprechende Leistungen im besonderen Angebot gefordert.

In der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe belegen die Schülerinnen und Schüler im Bereich des inhaltlichen Schwerpunktes ein schulstandortspezifisches Profilfach.

Die Schülerinnen und Schüler haben auch die Chance, sich bei Wettbewerben, Olympiaden und fächerübergreifenden Projekten zu vergleichen und zu beweisen. Die Schulen mit inhaltlichen Schwerpunkten pflegen eine besonders enge Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen, Kultur- und Sportzentren.

An allen Schulen mit genehmigten inhaltlichen Schwerpunkten ist ein Internat angeschlossen, die Schulen nehmen überregional Schülerinnen und Schüler auf.

Schulen mit inhaltlichen Schwerpunkten / mit inhaltlichem Schwerpunkt in Sachsen Anhalt:

1. Werner-von-Siemens-Gymnasium Magdeburg (mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer

    Schwerpunkt)

2. Georg-Cantor-Gymnasium Halle (mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Schwerpunkt)

3. Landesgymnasium Latina "August Hermann Francke" Halle (Sprachen und Musik)

4. Landesgymnasium für Musik Wernigerode (Musik)

5. Landesschule Pforta in Schulpforte (mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer

    Schwerpunkt, Sprachen und Musik)

6. Burggymnasium Wettin (Bildende Kunst)

7. Sportsekundarschule Magdeburg (Sport)

8. Sportgymnasium Magdeburg (Sport)

9. Sportschulen Halle (Sportsekundarschule; Sportgymnasium)

 

Die Schulen vermitteln zusätzlich zum Regelunterricht vertiefende und ergänzende Lerninhalte in Schwerpunktbereichen. Die Aufnahme erfolgt über wissenschaftlich anerkannte Aufnahmeverfahren unter Nutzung psychologischer Testmaterialien.

Außerschulische Förderangebote ergänzen die unterrichtlichen Maßnahmen 
 

Außerschulische Förderangebote werden in vielfältiger Weise unterbreitet. Aufzuzählen wären hier die Wettbewerbe im besonderen Landes- oder Bundesinteresse, Sommercamps, die Landesschülerakademie an der Hochschule Anhalt oder die Landesseminare. Darüber hinaus gibt es Juniorakademien oder Schülerakademien, die bundesweit angeboten werden. Die Schülerinnen und Schüler wählen entsprechend ihres Interesses die Angebote aus, die sie besonders anregend finden und die ihnen im besonderen Maße geeignet scheinen, ihre Leistungspotenziale zu entfalten oder ihre Fähigkeiten zu vertiefen. Bei den Bewerbungen werden sie von ihren Schulen unterstützt.   

 

Im November 2016 ist die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern ins Leben gerufen worden, bessere Entwicklungsmöglichkeiten für leistungsstarke und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler zu schaffen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status. In jedem Bundesland sollen zunächst Pilotschulen über einen Zeitraum von fünf Jahren Konzepte zur Förderung erarbeiten. Die entwickelten Strategien und Konzepte werden der Schulpraxis anschließend zur Verfügung gestellt.  

Die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern für bessere Entwicklungsmöglichkeiten für leistungsstarke und leistungsfähige Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status, stärkt den grundsätzlichen Auftrag von Schule und gibt ihm einen neuen Anstoß. Mit dem Vorhaben, Strategien und Konzepte für die Schulpraxis zu entwickeln und diese anschließend allen Schulen zur Verfügung zu stellen, wird die Arbeit der Schulen zukünftig in diesem Bereich angereichert und unterstützt und die Qualität der Unterrichtsarbeit bereichert.

 

 

 

 

© Ministerium für Bildung 2019

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