Zur staatlichen Anerkennung für das Übersetzen und Dolmetschen für gerichtliche, behördliche und notarielle Zwecke

Aufgrund des ungeregelten Berufszuganges zu den Sprachmittlerberufen besitzen die Personen, die das Übersetzen oder Dolmetschen beruflich ausüben, sehr unterschiedliche Ausbildungsabschlüsse, Kenntnisse und Fähigkeiten. Dem stehen in einigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens besondere Anforderungen an die Qualität und Verlässlichkeit von Übersetzungen und gedolmetschten Sprachinhalten gegenüber, so z. B. in der Rechtspflege, bei Behörden und im Gesundheitswesen. In den Ländern der Bundesrepublik Deutschland wurden unterschiedliche Modelle zur Sicherung eines Qualitätsstandards entwickelt, die darin übereinstimmen, dass bei einer durch die zuständige Justizverwaltung allgemein beeidigten und öffentlich bestellten Person davon auszugehen ist, dass sie verlässlich dolmetscht oder übersetzt. Das wiederum setzt jedoch voraus, dass für die Justizverwaltung ein möglichst einheitlicher Maßstab für die Feststellung der fachlichen Eignung der beantragenden Personen geschaffen werden muss; dies ist in Sachsen-Anhalt nach § 3 Abs. 1 Nr. 4 des Dolmetschergesetzes des Landes Sachsen-Anhalt (DolmG LSA) vom 16.12.2009 (GVBl. LSA S. 702) die staatliche Anerkennung der fachlichen Eignung.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Antragstellung

Entsprechend den bei den Personen vorliegenden unterschiedlichen Voraussetzungen wird die staatliche Anerkennung aufgrund unterschiedlicher Verfahren erteilt. Sie soll gleichzeitig (auch für den Fall, dass nachfolgend keine öffentliche Bestellung angestrebt wird oder erfolgt) ein Gütesiegel darstellen  und erforderlichenfalls widerrufen werden können.

Der Nachweis der fachlichen Eignung (staatliche Anerkennung) wird ausschließlich aufgrund von eingereichten Unterlagen erteilt. Hierzu zählen alle Abschlüsse gemäß § 2 der Dolmetschereignungsverordnung (DolmEigVO) vom 11.06.2010 (GVBl. LSA S. 358). Demnach besitzt die fachliche Eignung die Person, die im Geltungsbereich des Grundgesetzes:

  • den Abschluss eines einschlägigen akkreditierten Studienganges an einer Hochschule als Übersetzerin oder Übersetzer, Dolmetscherin oder Dolmetscher, Gebärden- sprachdolmetscherin oder Gebärdensprachdolmetscher ausweist,
  • einen vergleichbaren Studienabschluss einer Hochschule erworben hat, durch den einschließlich einer mindestens einjährigen berufspraktischen Tätigkeit als Übersetzerin oder Übersetzer, Dolmetscherin oder Dolmetscher, Gebärden- sprachdolmetscherin oder Gebärdensprachdolmetscher die von der Richtlinie zur Durchführung und Anerkennung von Prüfungen für Übersetzer/Übersetzerinnen, Dolmetscher/Dolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetscher/Gebärdensprach-dolmetscherinnen (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 12. März 2004, Beschluss-Sammlung Nr. 952) empfohlenen Kenntnisse und Fähigkeiten erworben wurden, oder
  • eine einschlägige staatliche Prüfung nach § 4 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. c des Dolmetschergesetzes des Landes Sachsen-Anhalt abgelegt hat.

Die fachliche Eignung besitzt ebenso, wer außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes:

  • einen Studienabschluss erworben hat oder
  • über eine bestandene staatliche Prüfung als Übersetzerin oder Übersetzer, Dolmetscherin oder Dolmetscher, Gebärdensprachdolmetscherin oder Gebärdensprachdolmetscher verfügt, die gleichwertig ist.

Die von anderen Bundesländern ausgesprochenen Gleichstellungen von Studiengängen und Prüfungen werden anerkannt.

Die fachliche Eignung (staatliche Anerkennung) ist schriftlich beim Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt oder beim „Einheitlichen Ansprechpartner“ (Landesverwaltungsamt Stabsstelle Einheitlicher Ansprechpartner: http://www.ea.sachsen-anhalt.de/) oder über den Bürgerservice (http://www.buerger.sachsen-anhalt.de/) zu beantragen.

Für die Antragstellung steht Ihnen ein Formular zum Herunterladen zur Verfügung.

1. Anerkennung der Gleichwertigkeit

Besitzen Antragstellerinnen und Antragsteller Zeugnisse über bestandene staatliche Prüfungen, Bescheinigungen über staatliche Anerkennungen oder Berufsqualifikationen, die in einem anderen Bundesland der Bundesrepublik Deutschland oder in einem anderen Mitgliedsstaat der Europäischen Union, eines anderen Vertragsstaates über den Europäischen Wirtschaftsraum oder eines anderen Vertragsstaates, dem die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union vertraglich einen Rechtsanspruch auf Anerkennung von Berufsqualifikationen eingeräumt haben, so können diese eine ausreichende Grundlage für die Erteilung der staatlichen Anerkennung in Sachsen-Anhalt sein. Die Prüfungsergebnisse sind anzuerkennen, wenn die Richtlinie 2005/36/EG und die Grundsätze der KMK-Richtlinie eingehalten sind. Für Personen aus Drittstaaten gelten die Grundsätze der Anerkennung der Gleichwertigkeit gemäß § 4 Dolmetschereignungsverordnung sinngemäß.

2. Ausgleichsmaßnahmen

Werden zeitliche oder inhaltliche Defizite bezüglich der Berufsqualifikation festgestellt, kann die staatliche Anerkennung von Ausgleichsmaßnahmen, die als Eignungsprüfung oder Anpassungslehrgang zu absolvieren sind, abhängig gemacht werden (§ 5 Dolmetschereignungsverordnung).

2.1 Eignungsprüfung

Die Eignungsprüfung ist, wenn bereits berufliche Qualifikationen vorliegen, auf die Prüfung dieser beruflichen Kenntnisse ausgerichtet und kann an einer Hochschule oder anderen Einrichtung durchgeführt werden, die das Kultusministerium bestimmt (§ 6 Dolmetschereignungsverordnung).

2.2 Anpassungslehrgang

Ein Anpassungslehrgang dauert höchstens drei Jahre und wird nicht vergütet. Er dient dem Erwerb praxisorientierter Kenntnisse und Fähigkeiten, die der Antragstellerin oder dem Antragsteller nach festgestelltem inhaltlichen oder zeitlichen Defizit für die staatliche Anerkennung fehlen. Das Kultusministerium kann eine Hochschule oder andere Einrichtung mit der Durchführung und Organisation des Anpassungslehrganges beauftragen (§ 7 Dolmetschereignungsverordnung).

Die Berechtigung zum Führen der Berufsbezeichnungen

  • Staatlich anerkannte Übersetzerin/ Staatlich anerkannter Übersetzer,
  • Staatlich anerkannte Dolmetscherin/ Staatlich anerkannter Dolmetscher,
  • Staatlich anerkannte Übersetzerin und Dolmetscherin/ Staatlich anerkannter Übersetzer und Dolmetscher,
  • Staatlich anerkannte Gebärdensprachdolmetscherin/ Staatlich anerkannter Gebärdensprachdolmetscher

kann erst nach Feststellung der fachlichen Eignung schriftlich durch einen abschließenden Bescheid erfolgen. Die berechtigte Person erhält eine entsprechende Urkunde (§ 8 Dolmetschereignungsverordnung).

Das Führen der Berufsbezeichnungen ist unabhängig von einer allgemeinen Beeidigung und öffentlichen Bestellung. Der Hinweis auf das Vorliegen der staatlichen Anerkennung kann von den Berechtigten im geschäftlichen Verkehr und im Zusammenhang mit erbrachten Leistungen verwendet werden. Die Vorlage der Urkunde über die staatliche Anerkennung wird außerdem von den Präsidentinnen und Präsidenten der Landgerichte in Sachsen-Anhalt als Nachweis der fachlichen Eignung für eine öffentliche Bestellung und allgemeine Beeidigung aufgrund des Dolmetschergesetzes des Landes Sachsen-Anhalt verlangt.

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